Liebe Ethikinteressierte!
Jeden Morgen beim Lesen aktueller Nachrichten erfahren wir von einem neuen Brennpunkt in unserer Welt. Der Krieg in der Ukraine ist hierbei nicht mehr das vordergründige Thema, sondern fast schon zur Normalität geworden. Uns hat das bisher hauptsächlich durch eine wachsende Anzahl ukrainischer Flüchtlinge tangiert. Im Gesundheitswesen sind wir zudem in die Behandlung von ukrainischen Kriegs-verletzten involviert.
Inzwischen müssen wir uns jedoch die Frage stellen, wie sich die gefühlte und tatsächliche Situation innerhalb unseres Landes für uns persönlich, aber auch für unser Umfeld und unsere berufliche Tätigkeit entwickeln wird. Zeitgleich sollten wir uns darauf vorbereiten, dass sich die Lage weltweit und für unser Land geändert hat: Frieden und Entspannung können wir nicht mehr als unbedingt gegeben voraussetzen! Schon jetzt beeinträchtigen Cyberangriffe auch in Deutschland die Abläufe größerer Einrichtungen und der so genannten kritischen Infrastruktur.
Eine Auseinandersetzung mit Änderungen unserer Zukunftserwartungen und der medizinischen Alltagsroutine ist daher unumgänglich. Die Frage, wo der eigene Platz demnächst sein wird und wie er aussehen könnte, scheint aus tagesaktueller Sicht immer drängender. Und die Antworten werden vielfältig sein:
Wir möchten daher in diesem Jahr ergründen, wie sich diese Änderungen im Gesundheitssystem zivil und militärisch auswirken.
Wie stärken wir unsere psychische Resilienz, um Unsicherheit, Leid und Tod auszuhalten?
Welchem moralischen Druck müssen Angehörige des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in ihrer Doppelrolle als medizinisches und militärisches Personal standhalten?
Was passiert im Verteidigungsfall in zivilen Krankenhäusern bzw. im zivilen Gesundheitssystem?
Inwelchem Umfang werden diese in die Versorgung von Soldatinnen und Soldaten einbezogen?
Welche juristischen Besonderheiten gilt es im Verteidigungsfall in Strukturen des Gesundheitswesens zu beachten?
Mit welchen Auswirkungen in der medizinischen Versorgung wird die Zivilbevölkerung rechnen müssen?
Wir freuen uns darauf, dass Sie sich mit uns diesem belastenden Thema unvoreingenommen stellen. Wir versprechen Zeit für interessante und ausführliche Diskussionen, denn auch und gerade für die Ethik in kriegerischen Auseinandersetzungen und den dringend erforderlichen ethischen Diskurs gilt: „Be prepared!“
Herzlichst Ihr Klinisches Ethikkomitee